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Im Dialog mit streikenden Studenten

21. Dezember 2009, 10.44 Uhr

Im Dialog mit streikenden Studenten
Im Dialog mit streikenden Studenten
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Im Dialog mit streikenden Studenten
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Im Dialog mit streikenden Studenten
Im Dialog mit streikenden Studenten

Bochum/Dortmund. Der Gottesdienst im Audimax Bochum sollte ungestört stattfinden – so der Beschluss des Streikplenums der Studenten der Ruhr-Universität vom 11. Dezember 2009. Nach Gesprächen mit Vertretern der Neuapostolischen Kirche beschloss das Gremium mehrheitlich, die Veranstaltung nicht zu blockieren. Und so hielt Stammapostel Wilhelm Leber, geistliches Oberhaupt der neuapostolischen Christen weltweit, weitgehend ungestört im Audimax den Gottesdienst für die Mitglieder des Bezirks Bochum. Dieser wurde auf die Gemeinden in Nordrhein-Westfalen übertragen. Derzeit ist das Gebäude immer noch von streikenden Studenten besetzt.

Da die Universitätsverwaltung als Vermieter des Audimax der Neuapostolischen Kirche keine konkreten Zusagen geben konnte, suchten Vertreter der Kirchenverwaltung in Dortmund und des Bezirks Bochum am Freitag, 11. Dezember 2009, das Gespräch mit den streikenden Studenten. Im Audimax stellten sie den Studenten den geplanten Gottesdienst und die Kirche vor und warben um die Unterstützung.

Hintergrund: Seit Monaten bereiten sich die ehrenamtlichen Helfer aus dem Bezirk sowie mehr als 150 Musiker und Sänger auf den besonderen Gottesdienst vor.

Keine Alternative zum Audimax

Andere Veranstaltungsorte gibt es für die Neuapostolische Kirche nicht. Alternativ wäre nur eine Verlegung des Gottesdienstes in die Zentralkirche Herne-Wanne-Eickel in Frage gekommen. Neben dem längeren Anreiseweg für die Mitglieder des Kirchenbezirks Bochum hätte eine Problematik darin bestanden, dass die Kirche nur 1.200 Plätze bietet – und nicht 1.900 wie das Audimax.

Eine von den Studenten befürchtete Räumung des Audimax durch die Polizei für die Veranstaltung der Neuapostolischen Kirche kam nicht in Frage, wie auch Bezirksapostel Armin Brinkmann betonte: „Ich habe großes Verständnis für die Forderungen der Studenten“, ließ er den streikenden Jugendlichen mitteilen.

Beschluss ohne Gegenstimmen

Der basisdemokratische Beschluss der Studenten sah vor, dass der Gottesdienst wie geplant stattfinden konnte. Schon zuvor hatte das Streikplenum beschlossen, keine kulturellen Veranstaltungen im Audimax zu boykottieren, zu denen für sie auch ein Gottesdienst zählte. Obwohl einige der teilnehmenden Studenten die Kirchen als Institutionen kritisch beurteilten, kam der Beschluss, bei einigen Enthaltungen, ohne Gegenstimmen zustande.

Die Neuapostolische Kirche sicherte den Studentenvertretern zu, dass diese im Foyer des Audimax bleiben und ihre Forderungen den Gottesdienst-Teilnehmern vorstellen können. Dies geschah dort mit Infotafeln und Transparenten.

 Dank an Helfer aus Bochum

„Wir sind den Studenten der Ruhr-Universität herzlich dankbar, dass der Gottesdienst weitgehend ungestört stattfinden konnte“, kommentierte Bezirksapostel Brinkmann  die Veranstaltung im Audimax. Besonders dankte er auch den ehrenamtlichen Helfern aus dem Bezirk Bochum, die mit ihrem Engagement dazu beitrugen, dass der Gottesdienst stattfinden konnte.

Während des Gottesdienstes hatten einige vermummte Studenten im Saal des Audimax Banner aufgehängt. Nach erneuten Gesprächen mit Verantwortlichen der Neuapostolischen Kirche während des Gottesdienstes sahen die Besetzer jedoch von weiteren Störaktionen ab und beschränkten ihren Protest auf die stille Anwesenheit im Saal.

Party in der Nacht zuvor

Noch in der Nacht hatte im Foyer des Audimax eine Musikveranstaltung der Studenten stattgefunden, deren Reste noch am Morgen beim Eintreffen der ersten Gottesdienst-Besucher auf dem Fußboden zu sehen waren. Die neuapostolischen Christen begegneten den Studenten tolerant und gelassen, die es sich im Foyer mit ihren Matratzen gemütlich gemacht hatten.

Verunreinigungen am Altar aus der Nacht konnten zuvor rechtzeitig vor dem Gottesdienst beseitigt werden. Dabei war den neuapostolischen Christen aus Bochum klar, dass die Besetzer des Audimax vom Sonntag weder Querschnitt der Studenten der Ruhr-Universität waren noch der streikenden Studierenden insgesamt.

Bildungsstreik an vielen Universitäten

In ganz Deutschland beteiligen sich derzeit Tausende Studenten am Bildungsstreik. Sie fordern unter anderem ein gerechteres Bildungssystem, bessere Lern- und Lehrbedingungen, die Abschaffung der Bachelor- und Masterstudiengänge in ihrer jetzigen Form sowie eine Aussetzung der Studiengebühren.

Am 19. November 2009 besetzten Studenten der Ruhr-Universität Bochum nach einer Vollversammlung das dortige Audimax. Der Saal mit mehr als 1.800 Sitzplätzen wurde 1974 eingeweiht und dient auch als Spielstätte der Bochumer Symphoniker. Im Saal befindet sich eine der modernsten und größten Orgeln der Orgelmanufaktur Klais. Die Orgel aus dem Jahr 1998 verfügt über 6146 Pfeifen in 82 Registern.

Andauernde Besetzung

Am 24. November ließ die Universität das Audimax durch eine Hundertschaft der Polizei räumen, um Platz für die Probe und eine Veranstaltung der Bochumer Symphoniker zu schaffen. Die Musiker erklärten sich jedoch mit den Studenten solidarisch und luden die Studenten zum Konzert ein.

In der Folge kam es zu Demonstrationen von Studenten auf dem Universitäts-Gelände und zu einer erneuten Besetzung des Audimax am 30. November, die bislang andauert. Auch die Entscheidung der Kultusminister vom 10. Dezember 2009, Reformen der Bachelor-Studiengänge durchzuführen, konnte die Studenten in Bochum bislang nicht von der Besetzung abbringen.

Text
Frank Schuldt
Fotos
Frank Schuldt