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Kirche wird Opfer von Anlagebetrügern

15. Februar 2012, 10.50 Uhr

Verwaltung der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen in Dortmund
Jahresbericht 2010 der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen
Jahresbericht 2010 der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen
Veröffentlichung der Finanzen 2010 im NNI 4. Quartal 2011
Jahresbericht 2010 der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen

Dortmund/Norwich. Vor einem britischen Gericht in Norfolk müssen sich seit dem 13. Februar 2012 mehrere Männer eines Betrügerrings verantworten, die über Jahre hinweg Personen des öffentlichen Lebens und Organisationen um einige Millionen Euro betrogen haben. Unter den Opfern ist auch die Neuapostolische Kirche Nordrhein-Westfalen. Sie hatte vor Jahren zehn Millionen Euro in eine angeblich sichere Kapitalanlage investiert.

„Die Enttäuschung ist groß“, bekennt der zuständige Kirchenpräsident, Bezirksapostel Armin Brinkmann. „Unsere Hoffnung setzen wir nun darauf, nach dem Prozess das eingesetzte Kapital zurück zu erlangen.“

Hohe Sicherheit ist Voraussetzung

Ende 2007 führte die Kirche erste Gespräche mit internationalen Investoren über eine neue Kapitalanlage. Das Investment erschien gewinnbringend und sicher. „Nach den Gesprächen waren wir überzeugt, eine weitere sinnvolle Kapitalanlage gefunden zu haben“, so Bezirksapostel Brinkmann.

Die Kirche legt seit Jahrzehnten im Rahmen der Vermögensverwaltung Rücklagen sicher und gewinnbringend an. Dadurch verfügt sie – neben den Einnahmen aus den Opfern und Spenden der Mitglieder – auch über regelmäßige Einnahmen aus Zinserträgen. Diese Zinserträge wurden in den letzten Jahrzehnten regelmäßig reinvestiert.

Die Rücklagen tragen damit dazu bei, die Finanzierung der kirchlichen Aufgaben in der Zukunft sicherzustellen. Im Herbst 2011 hat die Kirche im „Jahresbericht 2010“ ausführlich über die Finanzen und Rücklagen informiert.

Strafanzeige in Deutschland und England

Nach Abschluss der Investition im Jahr 2007 traten jedoch erste Ungereimtheiten auf. Drei Jahre lang bemühte sich die Neuapostolische Kirche Nordrhein-Westfalen intensiv, auf dem Verhandlungsweg das eingezahlte Kapital zurück zu erhalten. Als klar wurde, dass es sich um kriminelle Machenschaften handelte, schaltete die Kirchenleitung umgehend die deutschen Behörden ein. Strafanzeige erstattete die Kirche bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Bochum.

In Großbritannien wurde in Absprache mit den Strafverfolgungsbehörden ebenfalls Anzeige erstattet, weil auch dort – wie sich herausstellte – eine Person des öffentlichen Lebens geschädigt worden war. Bis Ende 2011 wurden daraufhin alle Akteure des Betrügerrings verhaftet.

Sechs Angeklagte

Ziel des in den letzten Monaten verdeckt geführten Strafverfahrens war nicht nur die Strafverfolgung der verantwortlichen Personen, sondern vor allem die Klärung der Frage, wo sich das eingesetzte Kapital befindet. Die Gerichtsverhandlung, so hofft die Kirchenleitung, soll Licht in den Fall bringen.

Vor dem Crown Court in Norwich sind sechs Personen angeklagt. Neben der Neuapostolischen Kirche ist unter den Opfern ein britischer Millionär, der rund 15 Millionen Euro verloren hat. Erstes Opfer der Betrüger war ein Geschäftsmann aus Utah (USA) mit mehr als einer Million US-Dollar Investitionssumme.

Information der Kirchenmitglieder

In einem Rundschreiben an alle Amtsträger der Gebietskirche informiert Bezirksapostel Armin Brinkmann über den Vorfall. Über Einzelheiten könne er derzeit nicht berichten, schreibt er, da das laufende Verfahren noch einige Monate andauern werde.

Die Landesversammlung, bestehend aus den Mitgliedern des Landesvorstandes und den Bezirksvorstehern des Kirchengebietes, wurde bereits zuvor über den Betrugsfall informiert. Die Investitionssumme von zehn Millionen Euro ist in der Bilanz ergebniswirksam wertberichtigt worden.

Richtlinie für Vermögensverwaltung

Als Konsequenz aus dem Anlagebetrug hat die Neuapostolische Kirche Nordrhein-Westfalen inzwischen ihre Richtlinie für die Vermögensverwaltung verschärft. Die Vorschrift beschränkt die Vermögensverwaltung der Kirche wie bisher auf risikoarme Anlagen. So heißt es: „Den Sicherheitszielen ist gegenüber Renditezielen Priorität einzuräumen.“

Weiter enthält die Richtlinie auch spezifische Vorschriften über zulässige Anlageklassen, Bandbreite pro Klasse, Mindestratings und ethischen Prinzipien. Beispielsweise sind Anlagen in Unternehmen ausgeschlossen, deren Ziele und Tätigkeit nicht christlich-moralischen Auffassungen entsprechen.

Anlagegremium berät und überwacht

Neu ist die Einrichtung eines Anlagegremiums, welches in der Gebietskirche Nordrhein-Westfalen 2010 gegründet wurde. Das Gremium besteht aus fachlich geeigneten Mitgliedern des Landesvorstands, Anlagebeauftragten der Kirchenverwaltung sowie externen Fachleuten. Es berät den Landesvorstand der Gebietskirche bei strategischen Entscheidungen und überwacht die Vermögensverwaltung sowie die Risikostrategie. Zudem müssen Anlageformen, die nicht spezifisch in der Richtlinie aufgeführt sind, vom Anlagegremium im Einzelfall genehmigt werden.

Mit der verschärften Richtlinie und der Beratung durch das Anlagegremium will die Neuapostolische Kirche Nordrhein-Westfalen die Sicherheit beim Umgang mit den finanziellen Reserven der Kirche weiter erhöhen. 

Text
Frank Schuldt