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AG Demografie tagt in Oberhausen

07. Juni 2012, 19.12 Uhr

AG Demografie tagt in Oberhausen
AG Demografie tagt in Oberhausen
AG Demografie tagt in Oberhausen
AG Demografie tagt in Oberhausen
AG Demografie tagt in Oberhausen
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AG Demografie tagt in Oberhausen
AG Demografie tagt in Oberhausen

Dortmund/Oberhausen. Wie stellt sich die Mitgliederstruktur neuapostolischer Gemeinden in Deutschland und in der Schweiz im Jahr 2030 dar? Welchen Einfluss haben allgemeine demografische Prozesse darauf? Wie müssen wir unsere Prognose-Instrumente weiterentwickeln? Solche und ähnliche Fragen sind Gegenstand der Arbeitsgruppe Demografie, die am 18. und 19. Mai 2012 in den Räumen des neuapostolischen Wohn-und Pflegezentrums "Gute Hoffnung" in Oberhausen tagte.

Mathematiker, Statistiker und Informatiker aus allen Gebietskirchen in Deutschland und der Schweiz - allesamt Fachleute im Umgang mit Daten und Fakten und daraus zu folgernden Prognosen - beschäftigen sich seit dem Jahr 2000 mit dieser speziellen Thematik.

Vorausberechnung für 2030

Während der Tagung, zu der der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Demografie, Bezirkspostel Armin Brinkmann eingeladen hatte, stellten die einzelnen Gebietskirchen jeweils ihre neuen Ergebnisse vor. Erstmals in diesem Jahr war auch ein Bericht über die zu erwartende Entwicklung der Mitgliederzahlen in der Gebietskirche Niederlande dabei.

Die nach dem Studium der Zahlen vorgestellten Vorausberechnungen betreffen das Jahr 2030 und sind im großen Trend in allen Gebietskirchen übereinstimmend, so konstatierten die Fachleute. Danach nähert sich das Verhältnis der distanzierten und aktiven Gemeindemitglieder immer mehr der 50-Prozent-Marke. Das heißt, dass der Anteil der Aktiven stetig abnimmt.

Anzahl der Aktiven sinkt

Die Prognosen nennen einen globalen Rückgang der Aktivenzahlen innerhalb der nächsten 18 Jahre zwischen 34 bis 45 Prozent, wobei die Rückgänge insbesondere bei den jüngeren Jahrgängen prozentual deutlich höher liegen. Schon jetzt übertrifft in einzelnen Gebietskirchen die Zahl der distanzierten Mitglieder die Anzahl der Aktiven, was sich auch an den Teilnehmerzahlen in den Sonntags- und Wochentags-Gottesdiensten ablesen lässt.

An dieser Stelle diagnostizierten die Mathematiker einen neuen Trend: Die Anzahl der Gottesdienstbesucher sinkt schneller als die Anzahl der laut Mitgliederdatenverwaltung (MDV) zu den Aktiven zählenden Gemeindemitglieder. Hier schloss sich eine Diskussion um eine feinere Differenzierung des Merkmals "aktiv" an. Die anwesenden Fachleute stellen zusehends Differenzierungen bei den aktiven Mitgliedern fest, die man in Zukunft quantifizieren müsse.

Demografische Entwicklung

Verantwortlich für die genannten Entwicklungen sind zwei sich addierende Trends. Da ist zum einen die demografische Entwicklung der Bevölkerung an sich, die mit maximal 50 Prozent zu Buche schlägt. Der Altersquotient sinkt unaufhörlich. Darunter versteht man das Verhältnis der über 65-Jährigen im Vergleich zu den Personen im arbeitsfähigen Alter.

Durch den Geburtenrückgang und die immer weiter steigende Lebenserwartung sinkt diese Maßzahl ständig. Das sei in den Gemeinden nicht anders als bei der Bevölkerung insgesamt, so die Fachgruppe.

Fokussierung auf Migrationsprozess

Zum anderen ist dies der Trend der sogenannten inneren Migration. Damit ist die Abwanderung aktiver Gemeindemitglieder in die Distanziertheit gemeint. Hier stelle man in allen Gebietskirchen gleichermaßen eine kritische Phase bei jungen Gemeindemitgliedern und im mittleren Alter fest.

Diese Tatsache sei umso mehr in den Fokus zu nehmen, als dass genau dort die Rekrutierungsphase von Amtsträgern und anderen Funktionsträgern liege. Das wirke sich sicherlich auch auf die Betreuungsquote aus, so war man sich einig. Stehe zurzeit noch ein Seelsorger für 24 Mitglieder zur Verfügung, verschiebe sich das Verhältnis im Jahr 2030 auf 1 zu 33.

"Europa-Jugendtags-Effekt"

Ein interessanter Aspekt war der sogenannte "Europa-Jugendtags-Effekt". Die bislang gemessene Migration und der daraus prognostizierte Trend konnte nach dem Europa-Jugendtag gestoppt werden. Allerdings setzt sich der Trend nach einer einjährigen Pause jetzt wie vorherberechnet fort.

Einen weiteren Teil der Tagung verwendeten die Teilnehmer zur Diskussion über die Werkzeuge, mit denen sie die notwendigen Daten sammeln und auswerten.

Optimierung der Rechenvorgänge

Das bisherige Rechentool, das von den beiden Mitbegründern dieser Arbeitsgruppe, Prof. em. Dr. Dieter Sondermann (Institut für Finanzmarktökonomie und Statistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm Universität Bonn) und Prof. Dr. Günter Törner (Fakultät für Mathematik an der Universität Duisburg-Essen) ersonnen worden ist, komme bei der Quote von mehr als 50 Prozent distanzierter Gemeindemitglieder an seine Grenzen, so die beiden Autoren.

Die Teilnehmer beschlossen die Bildung einer Untergruppe, die sich mit der möglichen Weiterentwicklung des "Sondermann-Törner-Modells" oder entsprechender Ergänzungs- beziehungsweise Ersatzmodelle beschäftigen werden.

Webbasierte Mitgliederdaten-Verwaltung

Die kurze Vorstellung der bestenfalls im Jahre 2013 zu erwartenden webMDV, einer webbasierten Datenbankanwendung zur Mitglieder-Datenverwaltung, gab den Statistikern und Mathematikern Anlass zur Hoffnung, in Zukunft mit verlässlicheren Zahlen als aus der jetzigen MDV operieren zu können.

In einem dritten Tagungsteil gab Prof. Törner einen umfassenden Überblick über die gesamte Arbeit der Gruppe seit ihrem Entstehen im Jahr 2000. Dabei flossen auch Aspekte aus seiner Sicht als Bezirksvorsteher ein (Günter Törner war über viele Jahre als Bezirksältester für den Bezirk Essen verantwortlich).

Rückblick und Ausblick

Vor gut zehn Jahren noch, so Törner, habe das Thema Migration innerhalb der Kirche kaum Beachtung gefunden und daher auch keine Rolle gespielt. In Nordrhein-Westfalen sei man zu dieser Zeit in einem Bezirk im Ruhrgebiet angefangen, entsprechende Daten zu sammeln und auszuwerten. Es folgten erste Überlegungen zu einer 20-Jahre-Prognose der Mitgliederentwicklung in der Gebietskirche Nordrhein-Westfalen auf der Basis der Mitgliederdaten des Jahres 2000.

Bereits im Jahr 2001 wurde ein Rechenmodell entwickelt und ein erster Demografie-Bericht für die Gebietskirchen Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Nachdem im Jahr 2005 die Kirchenleitung Interesse an dem Thema bekundet hatte, wurde 2006 die AG Demografie gegründet, in welcher alle deutschen Gebietskirchen vertreten waren. Bezirksapostel Armin Brinkmann übernahm den Vorsitz.

2008 präsentierte die Arbeitsgruppe den ersten "Demografie-Bericht NAK Deutschland" auf der Bezirksapostelversammlung in Zürich (Schweiz). Ab diesem Zeitpunkt beteiligte sich die Gebietskirche Schweiz an den Studien.

Trend ist nicht umkehrbar

Mittlerweile seien Demografie und Migration als Themen in der Kirche präsent und die Prozesse fänden Beachtung, gleichwohl seien die Konsequenzen aus den Erkenntnissen oft sehr schwierig zu denken und umzusetzen. Dabei gelte es, so Bezirksapostel Brinkmann in seinen abschließenden Worten, einerseits die Erkenntnisse aus den Trendstudien ernst zu nehmen, andererseits aber auch Geduld aufzubringen, bis sich vertretbare Veränderungen auswirken.

Er dankte der Arbeitsgruppe, dass sie erheblich zur Sensibilisierung für die diffizile Problematik beigetragen habe. "Wir müssen lernen, dass der Trend nicht umkehrbar ist", so der Bezirksapostel. Dabei dürfe man aber nicht den Auftrag der Kirche außer Acht lassen, Gläubige auf die Wiederkunft Christi vorzubereiten.

Vision für zukünftige Gemeinden

Für die im November 2012 stattfindende Bezirksapostelversammlung wird die Arbeitsgruppe Demografie einen Gesamtbericht "Demografie in den Gebietskirchen Deutschlands, der Niederlande und der Schweiz" erstellen. Die Arbeitsgruppe erhofft sich von der Präsentation ihrer Ergebnisse eine die globale Vision der Kirche ergänzende Vision für das praktische Gemeindeleben vor Ort. 

So ist es ihr Wunsch, dass die von ihr vorgelegten Ergebnisse dazu führen, dass Ideen entwickelt und Impulse gesetzt werden können, nach denen es auch weiterhin Freude macht, sich in neuapostolischen Gemeinden zu engagieren, sich mit seinen Gaben einzubringen und mitzugestalten.

Text
Günter Lohsträter
Fotos
Günter Lohsträter