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Seelsorgeangebot in Justizvollzugsanstalten

Da Seelsorge immer mit Glaubens- und Lebenshilfe zu tun hat und als praktische Vermittlung des Evangeliums zu verstehen ist, kann es keinen Lebensbereich geben, für den Seelsorge nicht angeboten würde. So ist es nur folgerichtig, auch Seelsorgeangebote in Haftanstalten zu schaffen.

In dieser Arbeit sind in Nordrhein-Westfalen seit Jahrzehnten priesterliche Ämter tätig. Sie wollen neuapostolischen Gefangenen durch Gespräche und die Teilnahme am Sakrament des Heiligen Abendmahles Hilfe und Beistand leisten.

Steigerung der Effektivität der Seelsorge

Anfänglich ging der Wunsch um Seelsorge von den Heimatgemeinden oder den Familien der Inhaftierten aus. Über Kontaktaufnahme zu den Bezirksvorstehern, in deren Bezirken Justizvollzugsanstalten vorhanden sind, wurde die Seelsorge des zuständigen Priesters vermittelt. Dabei fielen aber diejenigen durch das Raster, die schon längere Zeit keinen Kontakt mehr zu Familie und Gemeinde gepflegt hatten, doch aber auch Seelsorge benötigt hätten.

So begann sehr bald unter der Regie des damaligen Apostels Gunter Homburg und des langjährig in dieser Arbeit tätigen Priesters Libuda eine stärkere Organisation dieser Arbeit mit dem Ziel, die Seelsorge an Inhaftierten gebietskirchenweit effektiver zu gestalten. Er schuf eine Arbeitsgruppe, in der alle mit der Seelsorge betrauten priesterlichen Ämter zunächst in einen Erfahrungsaustausch traten und anschließend die Seelsorgetätigkeit optimierten.

Leitfaden für die Seelsorge in den Justizvollzugsanstalten

Im Jahr 2004 entstand ein "Leitfaden für die Seelsorge in den Justizvollzugsanstalten". Er gibt Auskunft sowohl über rechtliche als auch über praktische Fragen. Außerdem soll er helfen, die Arbeit in den Justizvollzugsanstalten, die alle eine gewisse autarke Prägung besitzen, nach Möglichkeit zu vereinheitlichen.

Mittlerweile liegt mit Genehmigung der Justizbehörden ein Merkblatt in den Justizvollzugsanstalten aus, mit dem neu eingewiesene Insassen, aber auch schon über längere Zeit Inhaftierte, auf die Neuapostolische Kirche und ihre Aktivitäten hingewiesen werden. Auf diese Weise können auch alle jene Kontakt zur Kirche knüpfen, die ihn bereits verloren hatten.

Das "Bochumer Modell"

Vorbild und Zielvorstellung für Seelsorge in Justizvollzugsanstalten ist das sogenannte "Bochumer Modell". Im Jahre 1998 genehmigte die Anstaltsleitung der JVA Bochum eine einmal monatlich stattfinde Gesprächsgruppe unter der Leitung der Neuapostolischen Kirche. Die Termine werden durch Aushänge in der Anstalt bekannt gegeben. Interessierte Insassen können die Teilnahme bei der Anstaltsleitung beantragen. Das Angebot findet seitdem nicht nur bei neuapostolischen Inhaftierten rege Annahme.

Wenig später genehmigte die Anstaltsleitung die regelmäßige Durchführung von Gottesdiensten. Seit 2002 gibt es sogar eine SAT-Antenne am Gebäude der JVA Bochum, die ausschließlich zum Empfang von Festgottesdiensten der Neuapostolischen Kirche genutzt wird, die per Satellit in die Gemeinden Nordrhein-Westfalens übertragen werden.

Mehr als dreißig Seelsorger

Zurzeit sind mehr als dreißig Priester aus Nordrhein-Westfalen ehrenamtlich mit der Seelsorge in Justizvollzugsanstalten betraut. Einmal jährlich treffen sie sich in der Gesamtgruppe zu einem Erfahrungsaustausch. In kleineren Gruppen gibt es auch unterjährige Besprechungen.

Es ist das Bestreben aller in dieser Arbeit tätigen Seelsorger, ein gutes Verhältnis zur jeweiligen Anstaltsleitung wie auch zu den fest angestellten evangelischen oder katholischen Anstaltsgeistlichen zu pflegen. Weiter geht es ihnen darum, den Status als "Betreuer"  zu erwerben, der ihnen einen  weiter gesteckten Wirkungskreis ermöglicht als der Status des "Seelsorgers".

Wiedereingliederungshilfe

Neben der Hauptaufgabe - Betreuung von Inhaftierten in den Justizvollzugsanstalten - ist etwa seit 2005 ein weiteres Arbeitsfeld dazugekommen. Das betrifft die Kontaktaufnahme zu den Familien von vor der Entlassung stehender Inhaftierten. Vertrauensbildende Maßnahmen im Sinne von Brücken bauen in ein Leben nach der Haft.

Auch das Schaffen von Kontakten zum Gemeindevorsteher einer sogenannten "Ankunftsgemeinde" und die Übergabe der Seelsorge an die ortsansässigen Amtsträger der Gemeinde  haben sich die Anstaltsseelsorger der Neuapostolischen Kirche zur Aufgabe gemacht. Besuche bei Behörden, Vermietern und Arbeitgebern um Vorsprache wegen Wohnung oder Arbeit zählen ebenso zum weiten Arbeitsfeld der Seelsorger.

Hier wird Seelsorge konkret zu der oben erwähnten Lebenshilfe angeboten.